Beatles

Die Beatles

Rückblickend würde ich sagen, ab 1965 begann ich Schallplatten zu sammeln. Wohlgemerkt, es begann mit Singles. Gleichzeitig wuchs auch das Interesse an den Bands bzw. Musikern. Musikparade hieß eine damals angesagte Zeitschrift, die sich wohltuend von der Bravo abhob. Irgendwie wollte man ja etwas über seine Idole erfahren.

Einer der ersten Songs der Beatles, der mich wirklich umgehauen hat, war ihre Cover Version des Chuck Berry Klassikers Rock´n´Roll Music. Bis heute einer meiner absoluten Favorites der Band.

Ein Grund mehr dafür, mit eben jener Gruppe zu beginnen. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich die Beatles besser finde als die Rolling Stones. Und genau an dieser Stelle beginnt schon das erste Problem,  bzw. eine ganz entscheidende Frage der damaligen Zeit: Wen findest du besser? Die Stones oder die Beatles? Die Beatles waren den Stones m. E. musikalisch überlegen und wesentlich kreativer. Aber waren sie auch besser?
Meine Antwort: Sie haben ganz andere Musik gemacht und waren ab 1966 eine reine Studio Band. Man kann eben schlecht Äpfel mit Birnen vergleichen. Das Label der Beatles nannte sich dann später ja auch Apple Records, was aber nichts mit dem eben genannten Vergleich zu tun hat. Im Übrigen bin auch ich ein großer Fan der Rolling Stones, insbesondere von Keith Richards. Für den Hobby Gitarristen Udo Steinkamp geht kein Weg an diesem Musiker vorbei. Das nur so nebenbei. Damit sollte die Gretchenfrage „Beatles oder Stones“ an dieser Stelle geklärt sein.


Plakat aus dem Hard Rock Cafe, NYC

Weihnachten 1967 bekam ich die LP Please Please Me von meinen Eltern geschenkt. Die deutsche Ausgabe der Platte sah so aus. Ich hätte mich ehrlich gesagt über eine Platte der Stones damals mehr gefreut. Das habe ich natürlich nicht gesagt und auch nicht gezeigt. Aber immerhin gab es – wie ich damals fand – mit Twist And Shout und Boys zwei ganz fetzige Nummern. Boys ist bis heute einer meiner Lieblingssongs der Beatles geblieben. Später kam dann auch noch der erste Song der LP, I Saw Her Standing There dazu. Die deutsche Please-Please-Me LP vom Weihnachtsfest 1966 habe ich leider später verkauft. Die hat inzwischen durchaus einen gewissen Sammlerwert, vom ideellen ganz zu schweigen.

Plattencover des Albums HELP. Hard Rock Cafe NYC

Mit zunehmendem Alter höre ich mir gerne wieder Songs der Beatles an. Das hat zweierlei Gründe: Geänderte Hörgewohnheiten meinerseits und sehr gutes Audio-Remastering. Die remasterten CD- und Vinyl Wiederveröffentlichungen ihrer zumeist in den Abbey Road Studios aufgenommenen Studioalben klingen angesichts ihres Alters verblüffend gut. Was für eine Transparenz, was für ein Sound. Zum Beispiel die Neuauflage von St Pepper – zum 50jährigen Jubiläum des Albums – aus dem Jahr 2017. Respekt vor Giles Martin, dem Sohn des legendären Musikproduzenten George Martin, der bei der digitalen Umsetzung der alten analogen Bandaufnahmen ganze Arbeit geleistet hat.

Ein Beispiel für andere Hörgewohnheiten, bzw. einen sich im Lauf der Zeit verändernden Musikgeschmack meinerseits, ist die Wiederveröffentlichung des White Album. Diesen Beatles Longplayer habe ich mir vor einigen Jahren – als remasterte CD-Version aus dem Jahr 2009 – wirklich das erste Mal bewusst angehört. Volltreffer. Als die LP 1968 erschien, konnte ich mit vielen Songs weniger anfangen. Die Songs Revolution, Back in the USSR oder While My Guitar Gently Weeps fand ich ganz gut. Vielleicht auch noch Helter Skelter oder Birthday. Inzwischen denke ich, dass die Platte ein Meilenstein der Beatles war. Mit der St. Pepper-LP verhielt es sich 1967 ähnlich. Das war mir damals alles zu glatt und zu poppig. Da fehlte für mich der Beat, denn es gibt auf dem Album kaum schnelle Songs. Natürlich beeinflusst die gute Aufnahmetechnik der Neuausgaben auch das Hörempfinden.

Im Oktober 2019 habe ich mir im Sounds-Plattenladen, in der niederländischen Stadt Haarlem, die 50-jährige Jubiläumsausgabe des Albums Abbey Road als CD gekauft. Das klingt in etwa so, wie moderne Hifi-Produktionen heute klingen (sollten). Umwerfend. So habe ich die Beatles – abgesehen von der oben erwähnten St. Pepper Neuveröffentlichung – vorher noch nie gehört.

Vor einigen Wochen gönnte ich mir dann noch die remasterte CD Fassung von With The Beatles aus dem Jahr 2009: Auch ein Ohrenschmaus, wenn man bedenkt, dass die originalen, analogen Bandaufnahmen vom November 1963 stammen. Unglaublich.


Die alten Vinylaufnahmen der Beatles klangen allerdings schon in den 1960er Jahren für damalige Verhältnisse gut. Das Album Help, aus dem Jahr 1965 ist neben Rubber Soul wahrscheinlich mein Favorite Album der Band. Einen Titel darauf mag ich besonders gern: The Night Before.

Live gesehen habe ich die Beatles natürlich nicht. Sie gaben, einmal abgesehen vom Rooftop Konzert 1969 auf einem Dach in London, im August 1966 im Candlestick Park in San Francisco ihr letztes offizielles Konzert. Damals war ich vierzehn Jahre alt. Der nachfolgende Link führt zu einem Beitrag aus der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 25.06.2016: Vor 50 Jahren waren die Beatles auf Deutschlandtournee.

Paul McCartney habe ich 2016 in Düsseldorf gesehen. Nachzulesen ist das unter Viel Entertainment, grottenschlechter „Dröhnsound“! Unter Einzelkonzerte ab 2000 gibt unter dem Abschnitt Paul McCartney – 2016 in Düsseldorf noch einiges über das Konzert zu lesen nebst Bildern usw..

Wenn man bedenkt, dass die Rolling Stones 2020 noch immer Live Konzerte geben, dauerte die eigentliche Karriere der Beatles nur etwa 7 bis 8 Jahre. Offiziell trennten sie sich bekanntermaßen 1970 endgültig. Davor gab es aber schon längst Auflösungserscheinungen. Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass auch ihre letzten beiden Alben Abbey Road und Let it be trotzdem sehr gelungen sind.

Vielleicht liegt darin auch ein Geheimnis ihres Erfolgs: Ihre Musik wirkt für meinen Geschmack zu keiner Zeit verbraucht bzw. überholt, was häufig bei Gruppen der Fall ist, die viel zu lange existieren und ihren Zenit dann irgendwann überschritten haben.

Die Beatles als Musiker und Künstler

Der legendäre Quincy Jones soll laut RollingStone-Magazin 2018 in einem Interview gesagt haben: „Die Beatles waren die schlechtesten Musiker der Welt„! Das ist natürlich nur ein blöder Spruch, das weiß der große Meister selbst am besten.
Was hätte Quincy Jones dann nur über Troubadix, den legendären Barden aus Asterix und Obelix zu sagen? Man weiß es nicht.

Zudem kommt es immer auf den musikalischen Anspruch bzw. die angelegte Messlatte an. Allerdings kann jeder Mensch mit einem normalen Hörempfinden und einer gewissen Musikalität gute von schlechter Musik unterscheiden. Das betrifft alle Sparten und Musikformen.


Ringos Drum Set. Hard Rock Cafe, NYC

Ringo Starr war sicher kein begnadeter Drummer. Als Linkshänder, der auf einem Rechtshänder Drumset spielte, erzeugte er allerdings einen gewissen eigenen Drumstil, der vielen Songs der Beatles eine eigene Note gab. Das folgende YouTube Video gibt darüber Auskunft.
Ringo Starr Shows How to play Ticket to Ride, Come Together and Back off Boogaloo

Das Schlagzeugspiel veränderte sich Ende der sechziger Jahre sehr stark. Bestes Beispiel John Bonham von Led Zeppelin. Für die Beatles war Ringo Starr meiner Meinung nach genau der richtige Drummer zur richtigen Zeit.


Geoge Harrisons Gitarre; Hard Rock Cafe, NYC

George Harrison stand als eigentlicher Lead Gitarrist der Gruppe leider immer im Schatten von John Lennon, der selbst ein guter Rhythmusgitarrist war, und Paul McCartney.  Er war ein guter, innovativer Lead Gitarrist und Musiker, der nach dem Split der Beatles bis zu seinem viel zu frühen Tod 2001 auf eine recht erfolgreiche Solokarriere zurückblicken konnte. So ganz nebenbei war George Harrison immer mein Lieblings Beatle. Zwei sehr schöne Balladen der Beatles stammen aus seiner Feder. Here Comes The Sun und Something.


Pauls Bass, Hard Rock Cafe, NYC

Paul McCartney war zusammen mit  John Lennon die treibende musikalische Kraft der Beatles. Als hervorragender Bassist der Band spielte er zudem auch Gitarre, Schlagzeug, Klavier und Mellotron. Laut Wikipedia einigten sich Paul McCartney und John Lennon 1963 auf die Komponistenangabe Lennon/McCartney. Das galt auch für Titel, die hauptsächlich nur von einem der beiden geschrieben wurde.
Paul McCartney hat neben John Lennon die meisten Lieder der Gruppe gesungen. Anfänglich vielleicht weniger als John Lennon, später wahrscheinlich mehr. Genaue Zahlen lassen sich nur schwer finden. Trotz Internet und Google. Zuweilen singen auch beide zusammen. Dann muss man hören, wer lauter singt. Dann hat man den Leadsänger entdeckt. Ich persönlich glaube, dass Paul McCartney der eigentliche musikalische Kopf der FabFour ab der im Jahr 1967 beginnenden Studio Phase war. Auf dem St. Pepper – Album singt Paul McCartney wesentlich mehr Stücke als John Lennon.


John Lennon war zu Beginn der Beatles wahrscheinlich der eigentliche Kopf der Gruppe. Neben seiner Rolle als Sänger spielte er hauptsächlich Rhythmusgitarre: Und die spielte er richtig gut. Der Song I Feel Fine ist ein gutes Beispiel dafür. Mit zunehmender Dauer der Beatles trat Paul McCartney mehr und mehr als musikalischer Kopf der Band auf den Plan. John Lennons Außenwirkung und Selbstdarstellung wurde dafür größer. Guter PR-Man!


Die Rolle von Yoko Ono

John Lennon war vielleicht der progressivste Typ innerhalb der Band, der Ende der sechziger Jahre offen war für neue künstlerische Dinge. Als dann noch Yoko Ono auf den Plan trat, war das Ende der FabFour besiegelt. Persönlich konnte ich schon damals wenig mit John Lennons vermeintlichen Happenings bzw. seinem Bed-In in Amsterdam für den Weltfrieden anfangen. Das war in meinen Augen pure Selbstdarstellung. Für andere Zeitgenossen war es vielleicht Aktionskunst. Fakt ist allerdings, dass die bis dahin höchstens in bestimmten Künstlerkreisen bekannte Yoko Ono, durch ihre Ehe mit John Lennon, auf einmal im weltweiten Scheinwerferlicht stand und (künstlerischen) Einfluss auf ihn ausübte. Und genau dass fand sie gar nicht so schlecht. 1969 gründeten die beiden dann auch die Plastic Ono Band.

Onos künstlerischer Einfluss schlug sich auch schon auf das Weiße Album der Beatles nieder. So findet sich dort die experimentelle Klangcollage Revolution 9.“ Seite „Yoko Ono“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 18. Januar 2020, 03:08 UTC

Der Wikipedia Artikel über das White Album der Beatles, bzw. dessen Entstehung, enthält interessante Aussagen darüber, was die drei anderen Beatles und auch Produzent George Martin über die Beziehung von John Lennon mit Yoko Ono dachten. Mit meinen Worten: Die Beziehung der beiden und insbesondere die sehr häufige Präsenz von Yoko Ono im Studio, führte zu Problemen mit den anderen drei Bandmitgliedern. Und das sollte sich bis zur Auflösung der Band 2 Jahre später fortsetzen.

Laut Wikipedia ist Yoko Ono eine „bedeutendsten Vertreterinnen der Fluxus-Bewegung. Bereits vor ihrer Ehe mit dem Beatle John Lennon hatte sich Ono Anfang der 1960er Jahre in Künstlerkreisen einen Namen gemacht und trat zunehmend als Friedens- und Menschenrechtsaktivistin auf.“ Seite „Yoko Ono“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 18. Januar 2020.

In dieser Frage bin ich ganz klar positioniert: Yoko Ono´s Beziehung zu John Lennon hat den Beatles nicht wirklich gut getan. In erster Linie menschlich. Ob es musikalisch ohne diese Beziehung anders verlaufen wäre, es vielleicht keine Trennung der Gruppe 1970 gegeben hätte, vermag keiner zu sagen. Das ist reine Spekulation.

Dieser Link führt zu einem Artikel vom 10.04.2020 aus dem „Spiegel“: Beatles Auflösung 1970: Das bittere Ende

Dieser zu einem Artikel vom 07.07.2020 auf Tagesschau.de: Ring Starr wird 80


The Meetles, NYC

Während eines NYC-Familienurlaubs Anfang April 2017 sahen wir in der Times Square Subway Station die New Yorker Classic Rock Tribute Band „The Meetles„, die dort jeden Samstagabend auftritt! Das Video zeigt einmal mehr, wie zeitlos die Musik der FabFour ist.

Die Meetles : Times Square subway station, New York City 2012.

The Meetles, Samstag, 08. April 2017, Times Square Subwaystation, NYC