Hervorgehobener Beitrag

Intro:

Der Klassiker unter den Plattenspielern: Lenco L75

Mein Lenco L75 ist 53 Jahre alt und dreht sich tapfer.

Dieser Musik-Blog ist einerseits der Versuch, meine Erinnerungen und Eindrücke über erlebte deutsche Rock-Festivals der frühen 1970er Jahre und viele Einzelkonzerte ab dieser Zeit wiederzugeben. Dafür stehen beispielsweise Namen wie das „Love & Peace Festival“ auf der Insel Fehmarn 1969 oder das „Germersheim-Festival 1972“. Andererseits möchte ich meinen Musikgeschmack, meine musikalische Neugierde und meine Sammelleidenschaft für Vinyl und später für CDs einfließen lassen. Die Rückkehr der guten alten Langspielplatte freut mich auch deshalb, weil ich meine mittelgroße Vinyl-Sammlung im CD-Hype der 1980er Jahre nicht verkauft habe. Ein Vinyl Plattencover in den Händen zu halten, den Inhalt auszupacken und auf den Plattenteller zu legen, vermittelt wahrscheinlich nicht nur mir ein anderes Gefühl, als eine CD in den CD-Player zu stecken! Vielleicht auch deshalb, weil viele meiner Langspielplatten ab den 1960er Jahren bis zum heutigen Tag untrennbar mit meiner eigenen Lebensgeschichte verbunden sind.

Nicht nur Rockstars werden älter: Fans ebenso! Im Jahr 1968 habe ich als 16Jähriger Werkzeugmacher Lehrling – bei Karmann in Osnabrück – ganz sicher nicht daran gedacht, dass auch 58 Jahre später noch immer Melodie & Rhythmus mein Leben prägen würden. Meine Vinyl-Sammelleidenschaft erlebt ihren zweiten und dritten Frühling: CDs kaufe ich aber auch noch. Zunehmend gebrauchte. Es sind halt unterschiedliche Tonträger: im Klang und in der Haptik. Musik-Streaming ist natürlich auch vertreten, wenn es nur ums Reinhören geht. Zudem gibt es auf YouTube so viele interessante Musik-Videos, dass einem fast schwindelig wird.

Mein Interesse für Rockmusik und das Sammeln von Schallplatten wurde wahrscheinlich zwischen 1964 und 1965 auf dem „Jahrmarkt“ und auf dem „Ziegenbrink-Schützenfest“ in Osnabrück geweckt. Die Gelegenheit auf „der Raupe“ angesagte Rock´n´Roll – und Beatmusik zu hören und aus der deutschen Schlagerwelt der frühen sechziger Jahre zu entkommen, war jedenfalls groß und mit sehr viel Vorfreude auf alle kommenden Jahrmärkte verbunden.

Diskotheken, Jugendzentren oder ähnliches gab es damals meines Wissens für Kids noch nicht: schon gar nicht für pubertierende, kleine Jungs wie mich.

Die Rolling Stones während der Arbeit: 1982 in Köln.

Die Rolling Stones während der Arbeit: 1982 in Köln.

The Kinks Golden Hour Vol.2

The Kinks Golden Hour Vol.2

Die Hits der Rolling Stones, der Beatles, der Beach Boys, der Who, der Kinks oder der Small Faces und der Spencer Davis Group waren ein wichtiger Teil meiner musikalischen ROOTS. Diese und viele andere „progressive 1960er Jahre Bands“ waren meine Zugänge zu Stilrichtungen wie Beat, Rock, Soul, Blues, Jazz usw., um an dieser Stelle nur einige Bands und Musikformen zu nennen. Die Kinks habe ich im Sommer 2025 geradezu neu entdeckt. Was für eine unterschätzte Band. Folglich wuchs mein Album-Bestand der Gruppe von 3 auf 13. So tickt nur der Sammler.

Chuck Berry, Rolling Stone

Chuck Berry

Rock´n´Roll und Blues bilden einen weiteren Teil meiner musikalischen Roots. Mein Musikgefühl wurde schon immer sehr stark vom Rhythmus und vom Groove (was auch immer das sein mag) geprägt. Chuck Berry, Little Richard, Buddy Holly, Eddy Cochran, Elvis Presley oder Jerry Lee Lewis begeistern mich neben anderen Rock´n´Rollern bis heute. Die Schlagerwelt bzw. die Mainstream-Radiomusik der 1960er Jahre verkörperten für mich damals so etwas wie eine Zwangs-Musik-Kultur, die man halt über sich ergehen lassen musste. Die Hoffnung auf das „größer und älter werden“ war in dieser Zeit des Heranwachsens wahrscheinlich nicht nur bei mir sehr angesagt.

Dieser Artikel aus der Neuen Osnabrücker Zeitung, anlässlich des 50 jährigen Jubiläums der ersten Deutschlandtournee der Rolling Stones „11. September 1965: Das erste Rolling-Stones-Konzert in Deutschlands„, beschreibt die damalige Situation vieler jugendlicher Beat-Fans treffend.

Konzertfotos

Heute ist es total einfach mit einem halbwegs guten Handy brauchbare Fotos von Konzerten aller Art zu machen. Zu Zeiten der analogen Fotografie war es wesentlich aufwendiger, die entsprechende Kamera mit möglichst lichtstarken Objektiven mit auf ein Konzert zu schleppen und halbwegs gute Bilder zu knipsen.

Ian Gillan Band, Osnabrück, Halle Gartlage 1982

Deep Purple: Roger Glover, Ian Gillan, Ian Paice, Don Airey & Simon McBride, Stadtparkbühne Hamburg 23.06..2022

Deep Purple: Roger Glover, Ian Gillan, Ian Paice, Don Airey & Simon McBride, Stadtparkbühne Hamburg 23.06..2022

Tedeschi Trucks Band, Hamburg, 26.10.2022

Tedeschi Trucks Band, Hamburg, 26.10.2022

The Bluesanovas

Geheimtipp aus Münster: The Bluesanovas auf der Maiwoche 2023 in Osnabück

Winery Dogs

The Winery Dogs im November 2023 im Rosenhof-MusikClub in Osnabrück: Hard Rock der Extraklasse!

GlennHughes, Hyde Park Osnabrück, 20.04.2024

Glenn Hughes – „The Voice of Rock“, Hyde Park Osnabrück, 20.04.2024


Hobbymusiker

Udo Steinkamp

Osnabrück 1988

1966 schenkte mir meine nette Stiefmutter Ulla eine akustische Gitarre, auf der ich dann versuchte – wie viele meiner damaligen Altersgenossen auch – musikalisch weiterzukommen als „House of the rising sun“ von den Animals. Anfänglich musste ich die Gitarre vor meinem strengen Vater verstecken, da er Angst hatte, dass ich dann nichts mehr für die Schule tun würde. Danke liebe Ulla, dass du mir damals die Gitarre geschenkt hast und mitgemacht hast, sie vor Vater Willi zu verstecken. Gemessen an gegenwärtigen liberalen pädagogischen Standards, waren es HARTE Zeiten. Es war aber auch Veränderung und Aufbegehren angesagt: Nicht nur bei linken Studenten. Mein Vater Willi konnte mich damals nicht bremsen. Auch nicht mit Androhung von Strafe, wenn es nicht nach seinen Vorstellungen lief. Die „68er Jahre“ fingen im Grunde genommen schon etwas füher an.

Zu der Zeit gab es ja auch angesagte Instrumentalgruppen wie die Shadows, Spotnicks & Ventures mit hervorragenden Sologitarristen. Wer Titel wie Apache, Amapola oder Wipe Out auf der Gitarre spielen konnte, war der King. Anfang der siebziger Jahre kaufte ich mir meine erste E-Gitarre auf der ich, mehr schlecht als recht, meistens nur so „just for fun“ herumklimperte ohne ernsthaft zu üben. Das war nicht wirklich gut.

1972 habe ich dann mehr oder weniger zufällig angefangen Schlagzeug zu spielen. Später auch in einigen Osnabrücker und Bissendorfer Coverbands. Die Gitarre spielte lange Zeit nur noch „die zweite Geige“ bei mir.

Erst in den letzten Jahren habe ich dann wieder häufiger in die Saiten gegriffen. Die späte Einsicht: Ohne Üben und einer gewissen Systematik geht es leider nicht!

Den nachfolgende Titel habe ich in meinem Musik-Keller alleine eingespielt. Home Recording eröffnet einem viele neue Möglichkeiten. Das wollte ich schon immer einmal versuchen. Ist natürlich verbesserungsfähig.


Mein Bezug zu Schallplatten und CDs

März 2023: Red Vinyl friedlich vereint mit Compact-Discs

Zwischen 1976 und 1981 habe ich – aus Neugierde und aus meiner Musikbegeisterung heraus – etwa 5 Jahre lang in Osnabrück als Schallplattenverkäufer gearbeitet. Zuerst bei JPC-Schallplatten, später bei „Radio- Deutsch“. Im Nachhinein war das eine enorm wichtige Zeit, in der ich Repertoirekenntnisse sammeln konnte. Bei „Radio-Deutsch“ auch rudimentäre Klassik-Kenntnisse. So ganz nebenbei wurde meine eigene Vinylsammlung kontinuierlich größer. Die CD-Sammlung kam erst später dazu. Inzwischen kaufe ich wieder Vinyl. Gerne auch gebrauchte „Schätze“.

Die Schallplattentheke bei RadioDeutsch in Osnabrück

Die Schallplattentheke bei RadioDeutsch in Osnabrück. Im Nachhinein war die Zeit bei RadioDeutsch in Osnabrück meine schönste Zeit als Schallplattenverkäufer!


Can-Cover, 1972

Deutsche Rockmusik & Krautrock: Mal mehr mal weniger beschäftigt mich das Thema Krautrock  bzw. der Stellenwert einiger deutscher Rockgruppen ab Mitte der 1960er Jahre.
Seit meinem, unserem Familien-New York-Besuch, Ostern 2017 und dem persönlichen AHA-Erlebnis im angesagten Stadtbezirk Brooklyn-Greenpoint, wo in einem großen Plattenladen das Stück Halleluwah vom Album Tag Mago der deutschen Avantgarde Band CAN als Hintergrundmusik lief, mache ich mir so meine Gedanken zum internationalen Stellenwert einiger deutscher Bands aus der oben genannten Zeit in der Gegenwart.

Link: Das CAN-Studio auf Google Arts & Culture

Amon Düül 2: Eine deutsche Avantgarde Band an der sich „die Geister bis heute scheiden“!

Vielleicht war da im Nachhinein viel mehr musikalische Kreativität im Spiel, als viele Musikfreaks in der damaligen Zeit gedacht haben: Krautrock klang zumeist anders als der progressivste Mix angesagter britischer und angloamerikanischer Bands und wurde zuweilen auch nicht wirklich ernst genommen.

Inga Rumpf, Helmut Krumminga, Hamburg, Fabrik 2016

Inga Rumpf, H. Krumminga, Fabrik, Hamburg 2016

Rückblickend finde ich das musikalische Schaffen und Wirken vieler Bands, ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre bis etwa Mitte der 1970er Jahre, immer spannender. Auch und gerade wegen der enormen Kreativität und Schaffenskraft, die diese Dekade bis heute auszeichnet. Das betrifft natürlich auch deutsche Rockbands wie Frumpy, Atlantis, Nektar (war eigentlich keine deutsche Gruppe) Can, Amon Düül II, Guru Guru, Birth Control, Kraan, KarthagoEpitaph usw..

Nicht zu vergessen ist der internationale Einfluss der anfänglich avantgardistisch wirkenden elektronischen Krautrocker. Ich denke an Gruppen wie Kraftwerk, Neu, Tangerine Dream, Ash Ra Tempel oder auch Michael Rother, um an dieser Stelle nur einige zu nennen.


Stan Webb und Miller Anderson, Hyde Park Osnabrück ca. 1982

Bluesrock: Ab Ende der 1960er Jahre war Blues-Rock bei mir ziemlich angesagt. Eigentlich fing es schon Mitte der 60er Jahre mit der Spencer Davis Group und den Animals an. Das war mehr Rhythm & Blues und die Seele von Steve Winwood bzw. Eric Burdon. Später kam dann der sogenannten Britisch-Blues, mit Künstlern wie John Mayall, Eric Clapton, Jeff Beck, Fleetwood Mac und Ten Years After damals die ersten Stars dieser Symbiose aus den 12 Takten des Blues, einer groovigen Rhythmusgruppe und einer dominanten Solo Gitarre nebst Gesang. Jimi Hendrix startete seine Karriere ebenfalls in London und die Zeit der Gitarren-Heroes nahm ihren Lauf.

Das Internet liefert heute dazu Informationen und You-Tube-Videos, von denen man in der früheren Analogzeit nur träumen konnte. Die Musiksendung „Beat Club“ oder der spätere Rockpalast waren ab 1965 die einzige Möglichkeit, nationale und internationale, Bands auf die damals noch analogen Röhren-Monitore – sprich Fernsehgeräte – zu bekommen. Bis zur Erfindung des VideoRecorders konnte das damals allerdings nur einmal angesehen werden.

Kenny Wayne Shepherd in der Hamburger Fabrik am 08.05.2023

Kenny Wayne Shepherd in der Hamburger Fabrik am 08.05.2023


Santana auf Vinyl: Gott sei Dank habe ich meine Schallplatten behalten!

Amerikanische Rockmusik und die Soul-Ära ab 1965: Die sich vor allem in San Francisco ab Mitte der 1960er Jahre entwickelnde Hippiekultur brachte wiederum ganz eigene musikalische Stilrichtungen zum Vorschein.  Westcoast-RockPsychedelic Rock oder auch Latin Rock zeichneten sich auch durch neuartige, experimentelle Sounds aus, die es in dieser Art vorher nicht gab. Dafür stehen Gruppennamen wie Jefferson Airplane, Quicksilver Messenger ServiceDoors oder Santana. Und natürlich eine meiner absoluten Lieblingsbands: die Doobie Brothers!

Mit der ebenfalls ab der Mitte der 1960er Jahre sehr populären Soul Musik verbinde ich natürlich Namen wie Artetha Franklin, Otis Redding, Wilson Picket oder Sly and the Family Stone. James Brown und Ray Charles müssen an dieser Stelle ebenfalls erwähnt werden.

Linda Ronstadt Album Simple Dreams

Linda Ronstadt – Nr. 1 Album: Simple Dreams


Swing, Jazz und Jazz-Rock: Im Dezember 1967 lief im deutschen Fernsehen der 1956 gedrehte amerikanische Musik-Film „Die Benny Goodmann Story“. Der Film hat mich damals total fasziniert. Titel wie „Don’t Be That Way“ oder „Sing Sing Sing“ haben mich auch wegen des fantastischen Grooves und der tollen Bläser nie mehr losgelassen. Der Rock´n´ Roll hat auch hier seine Wurzeln. Einige Jahre später besuchte ich als Jugendlicher häufiger den Parklane Jazz-Club, der damals im Osnabrücker Haus der Jugend einen öffentlichen Jazzkeller unterhielt. So ganz allmählich wuchs dann auch mein Interesse am Jazz und am Blues. Zu meinem 70. Geburtstag hat mir meine Frau Doro ein Hamburg-Wochenende, verbunden mit einem Swing-Konzert des Glenn Miller Orchestra in der Hamburger Laeiszhalle, geschenkt. Es war wie ein Abtauchen in die 1930 Jahre und in die Zeit der großen Swing-Orchester. Sehr beeindruckend!


Thats Soul

Thats Soul Sampler von 1967

Diskotheken: In Osnabrück gab es in der 2. Hälfte der 1960er Jahre u. a. eine ziemlich angesagte Diskothek mit dem schönen Namen Drehorgel. Ab Ende 1968, damals war ich sechzehn und im 2. Jahr meiner Werkzeugmacher Lehre bei Karmann, traf man sich dort häufig mit Freunden und lauschte der guten Soulmusik, die dort gespielt wurde. Da wurde auch noch eng getanzt. Ich sage nur: when a man loves a woman oder je t’aime.  Der DJ saß in einem ausgehöhlten Klavierrahmen. Um 10 Uhr war der Spaß für uns allerdings zu Ende, da wir noch keine „achtzehn“ waren. Im Nachhinein war das eine relativ unbeschwerte und von Aufbruchstimmung geprägte Zeit. Ich möchte sie nicht missen.


Bilder sagen ja bekanntermaßen mehr als tausend Worte. Deshalb gibt es auch immer wieder etwas zu sehen und zu hören. Hier ist ein Link zu meinem Flickr-Album Musik.

Roger Chapman, Osnabrück 1984

Johnny Van Zant, Lynyrd Skynyrd, Festhalle Frankfurt, 19.06.2019

Deep Purple, Stadtpark Freilichtbühne - 23.06.2022: Ian Paice & Ausnahmegitarrist Simon McBride der als "Ersatz" für Steve Morse auf der Tour 2022 die Gitarre bediente.

Deep Purple, Stadtpark Freilichtbühne – 23.06.2022 in Hamburg: Ian Paice & Ausnahmegitarrist Simon McBride der als „Ersatz“ für Steve Morse auf der Tour 2022 die Gitarre bearbeitete. Inzwischen ist er festes Mitglied bei Deep Purple.


Vinyl

Vinyl-Sammler-Glück

Sammelleidenschaft: Ich habe es endlich geschafft, eine z.Zt. noch unvollständige Liste meiner Vinyl-Sammlung zu erfassen. Das ist gewissermaßen meine Antwort auf die 500 besten Alben aller Zeiten der Zeitschrift „Rolling Stone“ aus dem Jahre 2003.

Hier ist meine Antwort. Meine Langspielplatten für die einsame Insel!

 


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Rock- und Popmusik: Stilistische Dekaden im Überblick

Ein Dialog mit Google Gemini über stilistische Dekaden in der Rock- und Popmusik seit 1950.

Frage: Kann man die Zeit der Rock- und Pop Musik von 1950 bis heute in wichtige stilistische Dekaden einteilen ? Wenn ja, welche ?


Absolut, das lässt sich sogar sehr gut strukturieren. Die Geschichte der Rock- und Popmusik ist eng mit gesellschaftlichen Umbrüchen und technologischen Sprüngen (wie der E-Gitarre, dem Synthesizer oder dem Internet) verknüpft.

Hier ist eine Übersicht der prägenden Dekaden und ihrer wichtigsten Stilmerkmale:


1. Die 1950er: Die Geburtsstunde (Rock ’n’ Roll)

In diesem Jahrzehnt verschmolzen „schwarzer“ Rhythm & Blues und „weißer“ Country zum Rock ’n’ Roll. Es war die erste Musikrichtung, die sich gezielt als Protest und Ausdruck einer jungen Generation verstand.

  • Schlüsselstile: Rock ’n’ Roll, Rockabilly, Doo Wop.

  • Wichtige Künstler: Elvis Presley, Chuck Berry, Little Richard.

2. Die 1960er: Die British Invasion & Psychedelia

Nach dem Rock-Boom der 50er übernahmen britische Bands das Ruder. Die Musik wurde komplexer, politischer und experimenteller.

  • Schlüsselstile: Beatmusik (The Beatles), Folk-Rock (Bob Dylan), Psychedelic Rock (Jimi Hendrix), Motown/Soul.

  • Besonderheit: Das Album wurde wichtiger als die einzelne Single; Rockmusik wurde zur Kunstform erhoben.

3. Die 1970er: Diversifizierung & Exzess

Rockmusik spaltete sich in extrem viele Untergenres auf. Gleichzeitig entstand am Ende des Jahrzehnts eine Gegenbewegung zur „verkopften“ Rockmusik.

  • Schlüsselstile: Hard Rock (Led Zeppelin), Glam Rock (David Bowie), Progressive Rock (Pink Floyd), Disco (ABBA, Bee Gees) und schließlich Punk (Sex Pistols).

  • Besonderheit: Die Geburtsstunde des Hip-Hop in den New Yorker Hinterhöfen.

4. Die 1980er: Synthesizer & Musikvideos

Die Technik revolutionierte den Sound: Digitale Synthesizer und Drumcomputer prägten den Klang. Zudem veränderte der Sender MTV alles – das Aussehen wurde fast so wichtig wie die Musik.

  • Schlüsselstile: New Wave/Synthie-Pop (Depeche Mode), Stadium Rock (Queen, U2), New Romantics und der Aufstieg des modernen Pop-Gigantismus (Michael Jackson, Madonna).

5. Die 1990er: Grunge, Britpop & Eurodance

Nach der glatten Produktion der 80er kehrte in den frühen 90ern mit dem Grunge die Rohheit zurück. Gleichzeitig wurde elektronische Tanzmusik (Techno) massentauglich.

  • Schlüsselstile: Grunge (Nirvana), Britpop (Oasis), Eurodance, Alternative Rock und das „Golden Age“ des Hip-Hop (Tupac, Biggie).

6. Die 2000er: Digitalisierung & Indie-Revival

Die Musikindustrie änderte sich durch Napster und den iPod radikal. Stilistisch gab es viele Rückbesinnungen auf alte Sounds („Retro-Rock“).

  • Schlüsselstile: Nu Metal (Linkin Park), Indie Rock (The Strokes), Contemporary R&B (Beyoncé) und die Dominanz von Casting-Shows.

7. 2010er bis heute: Streaming & Genre-Blurring

Dank Spotify und TikTok lösen sich klassische Genregrenzen auf. Hip-Hop ist mittlerweile das weltweit dominierende Genre und beeinflusst fast alle Pop-Produktionen.

  • Schlüsselstile: Trap, EDM (Electronic Dance Music), K-Pop (BTS), Bedroom Pop (Billie Eilish).

  • Besonderheit: Durch Globalisierung werden auch nicht-englischsprachige Songs (z. B. Latin Pop oder K-Pop) weltweit zu Nummer-1-Hits.


Frage:
welche Dekaden waren die kreativsten und musikalisch anspruchsvollsten. Nenne mir auch die entsprechenden Künstler


Das ist eine spannende Frage, die natürlich Raum für Diskussionen lässt, da „Anspruch“ und „Kreativität“ oft im Auge des Betrachters liegen. Schaut man jedoch auf musikalische Komplexität, Innovation und den Einfluss auf alles, was danach kam, ragen drei Dekaden besonders heraus.

Hier ist eine Analyse der kreativsten Ären und ihrer Köpfe:


1. Die späten 1960er: Die Experimentelle Revolution

Dies ist die Phase, in der Popmusik erwachsen wurde. Musiker hörten auf, nur für das Radio zu schreiben, und begannen, das Studio als eigenes Instrument zu nutzen.

  • Warum kreativ? Einführung von Psychedelia, Konzeptalben und die Fusion von Rock mit Klassik und indischer Musik.

  • Musikalisch anspruchsvoll: Komplexere Songstrukturen, die über das $A-B-A-B$-Schema hinausgingen.

  • Wichtige Künstler:

    • The Beatles: Mit Alben wie Sgt. Pepper’s oder Revolver setzten sie die Maßstäbe für Studiotechnik.

    • The Jimi Hendrix Experience: Er definierte die Möglichkeiten der E-Gitarre völlig neu.

    • The Beach Boys: Brian Wilson schuf mit Pet Sounds eine harmonische Komplexität, die fast an klassische Kompositionen grenzte.

    • Pink Floyd (Frühphase): Pioniere des Space Rock und der audiovisuellen Experimente.


2. Die 1970er: Der Gipfel der Virtuosität

In den 70ern erreichte das handwerkliche Können im Rock- und Jazz-Bereich seinen Höhepunkt. Musiker wollten zeigen, dass „U-Musik“ (Unterhaltung) genauso anspruchsvoll sein kann wie „E-Musik“ (Ernste Musik).

  • Warum kreativ? Entstehung des Progressive Rock und Jazz Fusion. Lieder dauerten oft 10 bis 20 Minuten.

  • Musikalisch anspruchsvoll: Unregelmäßige Taktarten (z.B. $5/4$ oder $7/8$ Takt), virtuose Soli und klassische Instrumentierung (Synthesizer, Flöten, Mellotron).

  • Wichtige Künstler:

    • Pink Floyd: Perfektionierung des Sound-Designs (The Dark Side of the Moon).

    • Yes & Genesis: Meister der langen, verschachtelten Epen mit extrem hohem spielerischem Niveau.

    • Frank Zappa: Ein Genie zwischen Rock, Jazz und Avantgarde, dessen Kompositionen oft als unspielbar galten.

    • David Bowie: Die „Chamäleon“-Kreativität – er erfand sich und seinen Sound fast jährlich neu.

    • Steely Dan: Bekannt für obsessive Perfektion im Studio und hochkomplexe Jazz-Akkorde im Pop-Kontext.


3. Die 1990er: Die Renaissance der Alternative

Nach den oft sehr glatt produzierten 80ern brachten die 90er eine enorme kreative Explosion mit sich, die vor allem durch Genre-Mixing bestach.

  • Warum kreativ? Die Grenzen zwischen Rock, Hip-Hop und Elektronik verschwammen. Es war die letzte Ära vor der totalen digitalen Dominanz, was zu sehr organischen, aber innovativen Sounds führte.

  • Musikalisch anspruchsvoll: Intelligente Texte, unkonventionelle Melodieführungen und der Einsatz von Elektronik als atmosphärisches Element.

  • Wichtige Künstler:

    • Radiohead: Mit OK Computer schufen sie das vielleicht wichtigste Album der Moderne, das Melancholie mit technischer Innovation verband.

    • Nirvana: Kreativität durch Reduktion und rohe Emotion, die eine ganze Industrie umkrempelte.

    • Björk: Sie verband Avantgarde-Pop mit Elektronik und orchestralen Arrangements auf eine Weise, die bis heute einzigartig ist.

    • Massive Attack / Portishead: Erfanden den „Trip-Hop“, eine extrem atmosphärische und klanglich dichte Musikrichtung.


Zusammenfassung der Ansprüche

Dekade Fokus der Kreativität Anspruchs-Level
1960er Innovation & Studio-Experimente Hoch (Harmonien/Strukturen)
1970er Virtuosität & Komposition Extrem Hoch (Technik/Theorie)
1990er Sound-Design & Genre-Busting Hoch (Atmosphäre/Konzept)

Stimmst du dieser Auswahl zu, oder hast du das Gefühl, dass eine bestimmte Ära (vielleicht die aktuelle mit ihrer technischen Perfektion) zu kurz kommt?

Deine Antwort ist gut. Man könnte die siebziger Jahre noch mit Police ergänzen. Dann natürlich die ganze JAZZ-Rock Zeit. Chick Corea, Mahavishnu Orchestra usw. Im Prinzip ist deine Analyse aber passend. Was glaubst du, sind die Gründe für den qualitativen Niedergang in der Rock und Pop Musik ab den 2000er Jahren?


Völlig richtig – The Police waren ein Paradebeispiel für die Integration von Reggae und Jazz-Einflüssen in den Pop, und Musiker wie Chick Corea oder John McLaughlin (Mahavishnu Orchestra) haben das technische Niveau der Rockmusik in Sphären gehoben, die fast schon an mathematische Präzision grenzten.

Dass viele Hörer ab den 2000ern einen „qualitativen Niedergang“ empfinden, ist kein rein subjektives Gefühl. Es gibt handfeste technologische, ökonomische und sogar musiktheoretische Gründe für diese Entwicklung.

Hier sind die entscheidenden Faktoren:


1. Die „Loudness War“ & Digitale Perfektion

Seit den späten 90ern wurde Musik immer lauter gemastert. Um im Radio aufzufallen, wurde die Dynamik (der Unterschied zwischen leisen und lauten Stellen) fast vollständig eliminiert.

  • Der Effekt: Musik verliert ihre „Atmung“. Alles ist gleich laut und wirkt auf Dauer ermüdend für das Ohr.

  • Quantisierung: Heute wird fast jeder Schlagzeugschlag am Computer perfekt auf das Raster gerückt. Das menschliche „Swing“ oder leichte Ungenauigkeiten, die den Charme von Bands wie Led Zeppelin ausmachten, gehen verloren.

2. Die algorithmische Komposition

Durch Streaming-Dienste wie Spotify entscheiden Algorithmen über Erfolg oder Misserfolg.

  • Skip-Rate: Ein Song muss heute in den ersten 10 bis 30 Sekunden „zünden“, sonst skippt der Hörer. Das führt dazu, dass komplexe Intros oder langsame Spannungsaufbauten (wie bei Stairway to Heaven) kaum noch produziert werden.

  • Vereinfachung: Studien haben gezeigt, dass die Varianz von Akkordfolgen und Klangfarben im Mainstream-Pop statistisch abgenommen hat. Man setzt auf das, was nachweislich funktioniert.

3. Der Wandel vom Musiker zum „Content Creator“

In den 70ern verbrachten Bands Jahre im Proberaum. Heute verbringen Künstler einen Großteil ihrer Zeit mit Social Media (TikTok, Instagram), um relevant zu bleiben.

  • Fokusverschiebung: Die Inszenierung der Persönlichkeit ist oft wichtiger als die handwerkliche Innovation am Instrument.

  • Produktion am Laptop: Früher zwang die teure Studiozeit zur Perfektion vor der Aufnahme. Heute kann jeder zu Hause unendlich viele Spuren aufnehmen und Fehler digital korrigieren („Autotune“), was oft zu einer gewissen „Beliebigkeit“ führt.

4. Ökonomischer Druck & „Safe Bets“

Die Musikindustrie verdient durch Streaming deutlich weniger pro Einheit als früher durch CD-Verkäufe.

  • Risikoscheue: Labels setzen lieber auf bekannte Formeln oder Samples alter Hits (Interpolation), anstatt radikal Neues zu wagen. Ein Großteil der heutigen Hits basiert auf Melodien der 80er oder 90er Jahre.

  • Songwriter-Teams: Während früher eine Band ihre Songs schrieb, sitzen heute oft 10 bis 15 spezialisierte Songwriter an einem einzigen 3-Minuten-Track. Das Ergebnis ist oft glattpoliert, verliert aber die individuelle, „kantige“ Handschrift.


Ein kleiner Hoffnungsschimmer

Obwohl der Mainstream simpler geworden ist, hat sich die Qualität oft in die Nische verschoben. Durch das Internet haben virtuose Musiker (z. B. Jacob Collier im Jazz/Pop oder Bands wie Snarky Puppy) heute zwar kein Massenpublikum wie die Beatles, aber eine weltweit vernetzte Fanbasis.

Glaubst du, dass die Musikindustrie sich irgendwann wieder auf „handgemachte“ Komplexität besinnt, oder wird die KI (Künstliche Intelligenz) diesen Trend zur Vereinfachung und Formelhaftigkeit in Zukunft sogar noch beschleunigen?

Meine Antwort:

Du hast es gut analisiert indem du schreibst:
„Der Effekt: Musik verliert ihre „Atmung“. Alles ist gleich laut und wirkt auf Dauer ermüdend für das Ohr.“

Die besten Noten sind oft die, die nicht gespielt werden. !!!

Das ist ein absolut brillanter Satz, der den Nagel auf den Kopf trifft: „Die besten Noten sind oft die, die nicht gespielt werden.“

Das ist das Prinzip der Pause, des Innehaltens und der Dynamik. In der Musikpsychologie nennt man das oft „Restraint“ (Zurückhaltung). Es geht um die Spannung, die im Kopf des Hörers entsteht, während er auf den nächsten Ton wartet.

Hier sind drei Gründe, warum dieses Prinzip in der heutigen Musik so oft schmerzlich vermisst wird:

1. Die Angst vor der Stille (Horror Vacui)

In der modernen Produktion herrscht oft die Angst, dass der Hörer sofort abschaltet, wenn es eine Sekunde lang „leer“ klingt. Deshalb werden Tracks mit Schichten von Synthesizern, Double-Trackings und Sound-Effekten zugekleistert. Doch ohne das Tal (die Stille) erkennt man den Berg (den Höhepunkt) nicht mehr.

2. Der Verlust des „Groove“

Musiker wie Miles Davis oder The Police (um bei deinem Beispiel zu bleiben) wussten genau: Ein Groove entsteht erst durch die Lücke. Stewart Copeland an den Drums oder Sting am Bass haben oft genau auf die „Eins“ verzichtet, um diesen federnden, atmenden Reggae-Rock-Hybrid zu erzeugen. Wenn alles „on the grid“ (auf dem digitalen Raster) festgenagelt ist, gibt es keinen Raum mehr für dieses rhythmische Atmen.

3. Die Dynamik als Erzählform

Wenn ein Song von Anfang bis Ende die gleiche Intensität hat, erzählt er keine Geschichte. Er ist wie ein Mensch, der einen drei Minuten lang durchgehend anschreit.

  • Früher: Ein Song begann leise, baute sich auf, fiel wieder ab.

  • Heute: Viele Produktionen sind „Brickwall“-limitiert – ein massiver Block aus Schall, der keine Nuancen zulässt.

„Musik ist die Stille zwischen den Noten.“ > – Dieses Zitat wird oft Claude Debussy oder Mozart zugeschrieben, und es ist heute aktueller denn je.

Es erfordert Mut, eine Lücke zu lassen. Es erfordert Selbstvertrauen eines Musikers zu sagen: „Ich spiele hier jetzt nichts, weil das Instrument meines Mitmusikers oder die Stille selbst gerade wichtiger ist.“ Diese Demut vor dem Song scheint im Zeitalter der algorithmischen Aufmerksamkeitsökonomie leider oft verloren gegangen zu sein.

Was glaubst du – ist diese Fähigkeit, „wegzulassen“, heute ein Privileg von Jazz- und Independent-Musikern geworden, während der Pop diesen Mut endgültig verloren hat?

Hier könnte es weitergehen!

Davy Knowles

Konzertbericht: Davy Knowles live im Gasthof Stock (04. März 2026)

Davy Knowles & Band am 04.03.2026 bei „Stock in Hagen a.T.W.“

Es gibt Orte, an denen die Zeit für ein paar Stunden stillzustehen scheint, und der Gasthof Stock in Hagen a.T.W. ist genau so ein Ort. Wenn dann noch ein Ausnahmekönner wie Davy Knowles für einen Zusatztermin vorbeischaut, wird aus einem normalen Mittwochabend eine Lehrstunde in Sachen Blues-Rock-Geschichte.

Meine Setlist-Highlights

  • „The Invisible Man“: Der Titelsong des aktuellen Albums war für mich das erste Highlight am Abend. Das scharfe Riff geht einem durch Mark & Bein. Auf der schwarzen Telecaster gespielt, schnitt das Riff förmlich durch die Luft im Saal. Die Tele verlieh dem Song eine fast schon kühle, atmosphärische Präzision, die Davys rauen Gesang perfekt konterkarierte.

  • „Outside Woman Blues“: Für den Klassiker griff Davy zur Gibson SG. Hier änderte sich die gesamte Dynamik des Raums. Wo vorher die Tele „biss“, rollte nun eine warme, cremige Wand auf uns zu. Die Humbucker der SG sorgten für jenes Sustain, das man sonst nur von alten Cream-Aufnahmen kennt – ein tief verbeugender Gruß an die 60er Jahre, der in der intimen Akustik des Gasthofs körperlich spürbar war.

  • „Nadine“: Zum Finale gab es die pure Rock ’n’ Roll-Eskalation. Wieder zurück an der schwarzen Telecaster, peitschte Knowles den Chuck-Berry-Klassiker nach vorne. Der Twang und die Aggressivität der Telecaster machten aus dem Song eine hochenergetische Nummer, bei der kein Fuß im Gasthof mehr stillstand.

Fazit: Handwerk ohne doppelten Boden

Wer Davy Knowles in dieser Form und in einem solch familiären Rahmen wie dem Gasthof Stock erlebt hat, weiß: Der Blues-Rock von 2026 braucht keine großen Stadien, sondern genau diese Nähe und vor allem diesen ehrlichen, unverfälschten Sound.

Davy Knowles & Band am 04.03.2026 bei "Stock in Hagen a.T.W."

Davy Knowles & Band am 04.03.2026 bei „Stock in Hagen a.T.W.“

Davy Knowles & Band am 04.03.2026 bei „Stock in Hagen a.T.W.“

Mike Hansen an den Drums spielte ein beindruckendes Schlagzeugsolo

Krautrock

Deutsche Rockmusik & Krautrock: Mal mehr mal weniger beschäftigt mich das Thema Krautrock  bzw. der Stellenwert einiger deutscher Rockgruppen ab Mitte der 1960er Jahre.

Ich habe ChatGPT gefragt: wie ist der Begriff „Krautrock“ musikhistorisch einzuordnen?

„Der Begriff „Krautrock“ ist musikhistorisch als Bezeichnung für eine experimentelle Rockmusik-Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland einzuordnen, die sich Ende der 1960er bis Mitte der 1970er Jahre entwickelte. Dabei ist wichtig: Der Begriff selbst stammt nicht von den Musikern, sondern wurde von der britischen Musikpresse geprägt.


1. Herkunft des Begriffs

  • „Kraut“ war im Englischen ein umgangssprachlich-abwertender Ausdruck für Deutsche
  • Der Begriff „Krautrock“ tauchte um 1969/70 in britischen Musikmagazinen auf
  • Anfangs ironisch bis spöttisch gemeint, wurde er später als Sammelbegriff akzeptiert – wenn auch widerwillig

Viele Musiker lehnten ihn ab (z. B. Can, Amon Düül II), da er stilistisch sehr unterschiedliche Musik über einen Kamm scherte.


2. Historischer Kontext

Krautrock entstand vor dem Hintergrund:

  • der 68er-Bewegung und einer kulturellen Abgrenzung von der Elterngeneration
  • des Wunsches nach einer eigenständigen deutschen Pop- und Rockkultur
  • der Ablehnung von reinem US-/UK-Rock-Nachahmertum

Statt Blues-Schemas und klassischer Songformen suchte man nach:

  • neuen Klangfarben
  • kollektiven Improvisationen
  • technischen und elektronischen Experimenten

3. Musikalische Merkmale (keine festen Regeln)

Typische, aber nicht zwingende Elemente:

  • lange, repetitive Strukturen („Motorik-Beat“)
  • elektronische Instrumente und frühe Synthesizer
  • Einflüsse aus:
    • Jazz & Free Jazz
    • Avantgarde & Neuer Musik (Stockhausen!)
    • Psychedelic Rock
    • Minimal Music
  • oft hypnotische, nicht-songhafte Formen

4. Zentrale Vertreter

Häufig dem Krautrock zugerechnet werden u. a.:

  • Can
  • Neu!
  • Faust
  • Amon Düül II
  • Tangerine Dream
  • Cluster / Harmonia
  • frühe Kraftwerk

Diese Bands klingen untereinander sehr unterschiedlich – genau deshalb ist „Krautrock“ eher ein historisch-kultureller Sammelbegriff als ein Genre im engeren Sinn.


5. Musikhistorische Bedeutung

Krautrock hatte großen Einfluss auf:

  • Post-Punk (Joy Division, Public Image Ltd.)
  • New Wave
  • Electronic / Ambient / Techno
  • Indie-Rock (z. B. Stereolab, Radiohead)

International wurde die Bewegung oft früher gewürdigt als in Deutschland selbst.


6. Einordnung in einem Satz

Krautrock bezeichnet eine lose, experimentelle Rockbewegung im Westdeutschland der frühen 1970er Jahre, die sich bewusst von angloamerikanischen Vorbildern löste und die Grundlage für viele spätere Formen elektronischer und alternativer Musik legte.

Amon Düül 2: Eine deutsche Avantgarde Band an der sich „die Geister bis heute scheiden“!

2 Kultalben des Krautrock: Amon Düül II – „Phallus Dei“ (1969) links und „Yeti“ (1979) rechts


Kultalbum: Guru Guru - Känguru von 1972

Kultalbum: Guru Guru – Känguru von 1972 in einer Wiederveröffentlichung von 2024

Kultalbum: Birth Control - Operation von 1972

Kultalbum: Birth Control – Operation von 1972


Kultalbum: The Can - Monster Movie von 1970

Kultalbum: The Can – Monster Movie von 1970 in einer Wiederveröffentlichung von 2013

Link: Das CAN-Studio auf Google Arts & Culture


Interessante Dokumentationen:

Kraut und Rüben„, eine Dokumentation über die Anfänge deutscher Rockmusik in sechs Teilen ist wieder als Video verfügbar! Teil1, Teil2, Teil3, Teil4, Teil5, Teil6

Rockpalast. Die Deutschrock Nacht – I/II 1/3 (nicht mehr verfügbar)

Under The Influence – Krautrock

KRAUTROCK volume 1

Kraftwerk live, WDR 1970

Kraftwerk – Rückstoss-Gondoliere, Beat Club, 22.05.1971


Interessante Literatur:

Michael Rother: Promi-Hilfe für einen Krautrockpionier, Die Zeit, 22. Februar 2019

Ein Akkord nur, und lange zieht er sich dahin, Süddeutsche Zeitung, März, 2016

Wie deutsch ist Krautrock, Artikel vom 23.07.2016, www.deutschlandfunk.de

KRAUTROCK, DIE REHABILITIERUNG EINES GENRES. Goethe Institut

David Stubbs: »Future Days«, das definitive Buch über Krautrock

Christoph Wagner: Der Klang der Revolte

Schober, Ingeborg: Tanz der Lemminge. Amon Düül – eine Musikkommune in der Protestbewegung der 60er Jahre.

Jan Reetze, Der Sound der Jahre

Der Spiegel, vom 26.02.1973 über die deutsche Gruppe Can: Zu ungemütlich


Während eines New York-Besuches, Ostern 2017, betrat ich einen Plattenladen in Greenpoint/Brooklyn und hörte zu meiner Verwunderung das Stück Halleluwah der deutschen Gruppe CAN. In dem Record Store wurde gerade deren grandioses Album „Tago Mago“ laut abgespielt, Ich war total überrascht, eine ca. 45 Jahre alte deutsche Schallplatte in NYC zu hören. Es handelte sich allerdings um eine aktuelle, remasterte Neuausgabe, was meinem Erstaunen jedoch keinen Abbruch verlieh. Ich erzählte dem Personal sofort, dass ich Can einige Male Anfang der 70er Jahre in Osnabrück gesehen habe und dass deren Schlagzeuger Jaki Liebezeit gerade verstorben sei. Letzteres war auch den fachkundigen Mitarbeitern bekannt. Ich war schwer beeindruckt, da beide Verkäufer altersmäßig nicht zu meiner Generation gehörten.

Kraut- und Spacerock scheinen zur Zeit in der „Musik-Scene“ ziemlich angesagt zu sein, wie der folgende Artikel aus der TAZ zeigt.

Wieder zurückgekehrt nach Deutschland, habe ich mir dann das Vinylalbum „Tago Mago“ sofort gekauft, obwohl ich die CD seit vielen Jahren besitze. Manche Alben sollte man m.E. als Vinyl-Album, sprich Schallplatte, besitzen: es ist einfach der gewisse Unterschied, der eine Schallplatte und ein Plattencover ausmacht! Wie der „große deutsche Soziologe“ Niklas Luhmann zuweilen zu sagen bzw. zu schreiben pflegte: „a difference that makes a difference“. N. Luhmann hat damit zwar nicht den Unterschied zwischen Vinyl, CD, MP3 oder einem anderen Speicherformat gemeintaber mit dieser, seiner Feststellung, hatte er m.E. recht.

Briten stehen auf "Krautrock", Beitrag in der NOZ, 16.09.1995

Briten stehen auf „Krautrock“, Beitrag in der NOZ, 16.09.1995


Der Chatbot „ChatGPT“ generierte nachfolgende Antwort auf meine Frage „Welche Bands sind die wichtigsten deutschen Krautrock Bands„.

„Die wichtigsten deutschen Krautrock-Bands stammen überwiegend aus den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren. Krautrock ist ein Sammelbegriff für experimentelle Rockmusik aus Deutschland, die sich von angloamerikanischen Vorbildern absetzte und elektronische, psychedelische sowie avantgardistische Elemente integrierte. Hier sind die bedeutendsten und einflussreichsten Bands des Genres:


Can

  • Stil: Experimentell, avantgardistisch, Funk-Einflüsse
  • Bekannt für: „Tago Mago“ (1971), „Ege Bamyasi“ (1972)
  • Besonderheit: Improvisation, hypnotische Grooves, Damo Suzuki (japanischer Sänger)

Neu!

  • Stil: Minimalistisch, „Motorik“-Beat
  • Bekannt für: „Neu!“ (1972), „Neu! 75“ (1975)
  • Mitglieder: Klaus Dinger und Michael Rother (ex-Kraftwerk)
  • Einfluss: Später wichtig für Punk, Post-Rock und Elektronik

Kraftwerk

  • Stil: Elektronisch, futuristisch, minimalistisch
  • Bekannt für: „Autobahn“ (1974), „Trans Europa Express“ (1977)
  • Besonderheit: Wurden zu Pionieren der elektronischen Musik

Faust

  • Stil: Avantgarde, Collagen, radikal experimentell
  • Bekannt für: „Faust“ (1971), „The Faust Tapes“ (1973)
  • Besonderheit: Geräuschmusik, Tape-Experimente

Amon Düül II

  • Stil: Psychedelisch, progressiv, wild
  • Bekannt für: „Yeti“ (1970), „Phallus Dei“ (1969)
  • Herkunft: Politisch-künstlerisches Kollektiv

Ash Ra Tempel

  • Stil: Space Rock, psychedelisch
  • Bekannt für: „Ash Ra Tempel“ (1971), „Join Inn“ (1973)
  • Mitglieder: Manuel Göttsching (später auch Solo mit E2-E4)

Tangerine Dream

  • Stil: Elektronisch, Ambient, Soundtracks
  • Bekannt für: „Phaedra“ (1974), „Rubycon“ (1975)
  • Einfluss: Wegbereiter der elektronischen Musik und des Ambient

Cluster (früher Kluster)

  • Stil: Elektronik, Drone, Ambient
  • Mitglieder: Hans-Joachim Roedelius und Dieter Moebius
  • Bekannt für: Zusammenarbeit mit Brian Eno

Guru Guru

  • Stil: Psychedelic Rock, Jazzrock, anarchisch
  • Bekannt für: „UFO“ (1970)
  • Besonderheit: Humorvoll, improvisatorisch

Popol Vuh

  • Stil: Spirituell, elektronisch, später Weltmusik
  • Bekannt für: Soundtracks zu Werner Herzog-Filmen („Aguirre“)
  • Besonderheit: Verbindung von Elektronik und Mystik

In dieser KI-gesteuerten Auflistung fehlen nach meinem Verständniss für den Sammelbegriff „Krautrock“ Bands wie Birth Control, Karthago, Embryo oder auch Kraan deren Musikstil durchaus auch experimentelle und improvisationslastige Elemente des Krautrock in sich vereinte. Mal mehr, mal weniger.







 

Krautrock

Deutsche Rockmusik & Krautrock: Mal mehr mal weniger beschäftigt mich das Thema Krautrock  bzw. der Stellenwert einiger deutscher Rockgruppen ab Mitte der 1960er Jahre.

Wikipedia definiert Krautrock folgendermaßen …

Amon Düül 2: Eine deutsche Avantgarde Band an der sich „die Geister bis heute scheiden“!

2 Kultalben des Krautrock: Amon Düül II – „Phallus Dei“ (1969) links und „Yeti“ (1979) rechts


Kultalbum: Guru Guru - Känguru von 1972

Kultalbum: Guru Guru – Känguru von 1972 in einer Wiederveröffentlichung von 2024

Kultalbum: Birth Control - Operation von 1972

Kultalbum: Birth Control – Operation von 1972


Kultalbum: The Can - Monster Movie von 1970

Kultalbum: The Can – Monster Movie von 1970 in einer Wiederveröffentlichung von 2013

Link: Das CAN-Studio auf Google Arts & Culture


Interessante Dokumentationen:

Kraut und Rüben„, eine Dokumentation über die Anfänge deutscher Rockmusik in sechs Teilen ist leider nicht mehr als Video verfügbar!

Roboter essen kein Sauerkraut, Dokumentarfilm, Deutschland 2008 ARTE (nicht mehr verfügbar)

Rockpalast. Die Deutschrock Nacht – I/II 1/3 (nicht mehr verfügbar)

Can(band) – Documentary (nicht mehr verfügbar)

Under The Influence – Krautrock

KRAUTROCK volume 1 (nicht mehr verfügbar)

Kraftwerk live, WDR 1970

Kraftwerk – Rückstoss-Gondoliere, Beat Club, 22.05.1971


Interessante Literatur:

Michael Rother: Promi-Hilfe für einen Krautrockpionier, Die Zeit, 22. Februar 2019

Ein Akkord nur, und lange zieht er sich dahin, Süddeutsche Zeitung, März, 2016

Wie deutsch ist Krautrock, Artikel vom 23.07.2016, www.deutschlandfunk.de

KRAUTROCK, DIE REHABILITIERUNG EINES GENRES. Goethe Institut

David Stubbs: »Future Days«, das definitive Buch über Krautrock

Christoph Wagner: Der Klang der Revolte

Schober, Ingeborg: Tanz der Lemminge. Amon Düül – eine Musikkommune in der Protestbewegung der 60er Jahre.

Jan Reetze, Der Sound der Jahre

Der Spiegel, vom 26.02.1973 über die deutsche Gruppe Can: Zu ungemütlich


Während eines New York-Besuches, Ostern 2017, betrat ich einen Plattenladen in Greenpoint/Brooklyn und hörte zu meiner Verwunderung das Stück Halleluwah der deutschen Gruppe CAN. In dem Record Store wurde gerade deren grandioses Album „Tago Mago“ laut abgespielt, Ich war total überrascht, eine ca. 45 Jahre alte deutsche Schallplatte in NYC zu hören. Es handelte sich allerdings um eine aktuelle, remasterte Neuausgabe, was meinem Erstaunen jedoch keinen Abbruch verlieh. Ich erzählte dem Personal sofort, dass ich Can einige Male Anfang der 70er Jahre in Osnabrück gesehen habe und dass deren Schlagzeuger Jaki Liebezeit gerade verstorben sei. Letzteres war auch den fachkundigen Mitarbeitern bekannt. Ich war schwer beeindruckt, da beide Verkäufer altersmäßig nicht zu meiner Generation gehörten.

Kraut- und Spacerock scheinen zur Zeit in der „Musik-Scene“ ziemlich angesagt zu sein, wie der folgende Artikel aus der TAZ zeigt.

Wieder zurückgekehrt nach Deutschland, habe ich mir dann das Vinylalbum „Tago Mago“ sofort gekauft, obwohl ich die CD seit vielen Jahren besitze. Manche Alben sollte man m.E. als Vinyl-Album, sprich Schallplatte, besitzen: es ist einfach der gewisse Unterschied, der eine Schallplatte und ein Plattencover ausmacht! Wie der „große deutsche Soziologe“ Niklas Luhmann zuweilen zu sagen bzw. zu schreiben pflegte: „a difference that makes a difference“. N. Luhmann hat damit zwar nicht den Unterschied zwischen Vinyl, CD, MP3 oder einem anderen Speicherformat gemeintaber mit dieser, seiner Feststellung, hatte er m.E. recht.

Briten stehen auf "Krautrock", Beitrag in der NOZ, 16.09.1995

Briten stehen auf „Krautrock“, Beitrag in der NOZ, 16.09.1995


Der Chatbot „ChatGPT“ generierte nachfolgende Antwort auf meine Frage „Welche Bands sind die wichtigsten deutschen Krautrock Bands„.

„Die wichtigsten deutschen Krautrock-Bands stammen überwiegend aus den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren. Krautrock ist ein Sammelbegriff für experimentelle Rockmusik aus Deutschland, die sich von angloamerikanischen Vorbildern absetzte und elektronische, psychedelische sowie avantgardistische Elemente integrierte. Hier sind die bedeutendsten und einflussreichsten Bands des Genres:


Can

  • Stil: Experimentell, avantgardistisch, Funk-Einflüsse
  • Bekannt für: „Tago Mago“ (1971), „Ege Bamyasi“ (1972)
  • Besonderheit: Improvisation, hypnotische Grooves, Damo Suzuki (japanischer Sänger)

Neu!

  • Stil: Minimalistisch, „Motorik“-Beat
  • Bekannt für: „Neu!“ (1972), „Neu! 75“ (1975)
  • Mitglieder: Klaus Dinger und Michael Rother (ex-Kraftwerk)
  • Einfluss: Später wichtig für Punk, Post-Rock und Elektronik

Kraftwerk

  • Stil: Elektronisch, futuristisch, minimalistisch
  • Bekannt für: „Autobahn“ (1974), „Trans Europa Express“ (1977)
  • Besonderheit: Wurden zu Pionieren der elektronischen Musik

Faust

  • Stil: Avantgarde, Collagen, radikal experimentell
  • Bekannt für: „Faust“ (1971), „The Faust Tapes“ (1973)
  • Besonderheit: Geräuschmusik, Tape-Experimente

Amon Düül II

  • Stil: Psychedelisch, progressiv, wild
  • Bekannt für: „Yeti“ (1970), „Phallus Dei“ (1969)
  • Herkunft: Politisch-künstlerisches Kollektiv

Ash Ra Tempel

  • Stil: Space Rock, psychedelisch
  • Bekannt für: „Ash Ra Tempel“ (1971), „Join Inn“ (1973)
  • Mitglieder: Manuel Göttsching (später auch Solo mit E2-E4)

Tangerine Dream

  • Stil: Elektronisch, Ambient, Soundtracks
  • Bekannt für: „Phaedra“ (1974), „Rubycon“ (1975)
  • Einfluss: Wegbereiter der elektronischen Musik und des Ambient

Cluster (früher Kluster)

  • Stil: Elektronik, Drone, Ambient
  • Mitglieder: Hans-Joachim Roedelius und Dieter Moebius
  • Bekannt für: Zusammenarbeit mit Brian Eno

Guru Guru

  • Stil: Psychedelic Rock, Jazzrock, anarchisch
  • Bekannt für: „UFO“ (1970)
  • Besonderheit: Humorvoll, improvisatorisch

Popol Vuh

  • Stil: Spirituell, elektronisch, später Weltmusik
  • Bekannt für: Soundtracks zu Werner Herzog-Filmen („Aguirre“)
  • Besonderheit: Verbindung von Elektronik und Mystik

In dieser KI-gesteuerten Auflistung fehlen nach meinem Verständniss für den Sammelbegriff „Krautrock“ Bands wie Birth Control, Karthago, Embryo oder auch Kraan deren Musikstil durchaus auch experimentelle und improvisationslastige Elemente des Krautrock in sich vereinte. Mal mehr, mal weniger.