Am 27.06.2009 gastierten Jethro Tull unter freiem Himmel (open air) auf dem Gelände der Halle Gartlage in Osnabrück. Es war das erste Konzert, für das ich mehr als 50,-€ bezahlt habe. Es wurden vorwiegend Frühwerke der Gruppe gespielt. Die Band war absolut Top und Ian Andersons Stimme war noch nicht ganz so nasal wie in den folgenden Jahren. Leider habe ich die Eintrittskarte so gut verlegt, dass sie unauffindbar geworden ist: Pech gehabt!
Hier ist ein Link zur Setlist des Konzerts.
In der Neuen Osnabrücker Zeitung erschien am 28.06.2009 folgender Artikel „In den Sechzigern verharrt“
Nachfolgend ein Dialog mit Google Gemini über Jethro Tull:
Warum Jethro Tull die „Musiker-Band“ schlechthin waren:
1. Die Rhythmusgruppe: Das Fundament
Für dich als Drummer ist Jethro Tull eine Goldmine. Besonders die Ära mit Barriemore Barlow (den John Bonham übrigens als den „größten lebenden Rock-Drummer“ bezeichnete) ist spielerisch kaum zu fassen.
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Barriemore Barlow: Sein Spiel auf Alben wie Songs from the Wood oder Heavy Horses ist eine Lektion in Sachen Dynamik und vertrackten Fills. Er spielte hochkomplexe Taktwechsel so flüssig, dass sie sich trotzdem „rockig“ anfühlten.
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Jeffrey Hammond / John Glascock: Die Basslinien waren bei Tull nie nur Begleitung, sondern oft kontrapunktisch zum Gesang oder zur Flöte angelegt.
2. Ian Anderson: Mehr als nur die Flöte
Anderson war der perfekte Bandleader. Sein Akustikgitarren-Spiel (oft unterschätzt!) gab den Songs ein perkussives Gerüst, und seine Querflöte brachte eine völlig neue Farbe in den Rock – weg vom klassischen Solo-Instrument, hin zu einem fauchenden, perkussiven Lead-Element.
3. Martin Barre: Der unterschätzte Gitarren-Gigant
Du als Gitarrist weißt: Martin Barre ist einer der geschmackvollsten Spieler der Geschichte. Sein Solo in „Aqualung“ wurde von Jimmy Page als eines der besten aller Zeiten bezeichnet. Er hatte diesen bissigen, trockenen Ton, der perfekt mit den orchestralen Arrangements kontrastierte.
Warum sie live „das Beste vom Besten“ waren:
Jethro Tull hatten eine Disziplin auf der Bühne, die man selten fand. Ian Anderson forderte von seinen Musikern absolute Perfektion. Trotzdem wirkte es nie steif – Andersons exzentrische Performance (das Stehen auf einem Bein!) und die Spielfreude der Band machten jedes Konzert zu einem Ereignis, das weit über eine normale Rockshow hinausging.
Ich benötige eine ausführliche Zusammenfassung über die Band „Jethro Tull“. Von den Anfängen mit dem ersten Gitatrristen, Mick Abrahams bis in die Gegenwart. Mit Diskografie und personellen Wechseln
Das ist eine Mammutaufgabe, denn kaum eine Band hat eine so wechselvolle Geschichte wie Jethro Tull. Von den bluesigen Anfängen im Londoner Untergrund bis hin zum „Progressive-Folk-Rock“-Thron war es ein weiter Weg, der fast ausschließlich von der Vision (und der Querflöte) des Masterminds Ian Anderson gelenkt wurde.
Hier ist die ausführliche Chronik einer der eigenwilligsten Bands der Rockgeschichte:
1. Die Ära Mick Abrahams (1967–1968): Der Blues-Ursprung
Die Band entstand aus den Trümmern der Soul-Band The John Evan Band. Der Name „Jethro Tull“ (ein britischer Agrar-Pionier des 18. Jahrhunderts) war eigentlich nur eine Verlegenheit, weil sie ständig ihre Namen änderten, um in den Clubs wieder gebucht zu werden.
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Der Sound: Ein schwerer, britischer Blues-Rock, stark geprägt durch den Gitarristen Mick Abrahams.
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Der Bruch: Abrahams wollte beim Blues bleiben, Ian Anderson wollte die Musik öffnen (Jazz, Folk, Klassik).
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Wichtigstes Album: This Was (1968).
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Besetzung: Ian Anderson (Gesang/Flöte), Mick Abrahams (Gitarre), Glenn Cornick (Bass), Clive Bunker (Drums).
2. Der Aufstieg und die goldene Prog-Ära (1969–1975)
Nachdem Abrahams ging (und kurzzeitig Tony Iommi von Black Sabbath aushalf), fand Anderson in Martin Barre seinen perfekten Gegenpart an der Gitarre. Barre blieb über 40 Jahre lang die Konstante neben Anderson.
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Der Wandel: Mit Stand Up (1969) und Benefit (1970) entwickelte sich der typische Tull-Sound: Querflöte trifft auf Hard-Rock-Riffs.
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Der Weltrum: Aqualung (1971) zementierte ihren Status. Es war kein Konzeptalbum, wirkte aber so. Das Riff von „Aqualung“ und das Solo in „Locomotive Breath“ sind Rock-Geschichte.
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Der totale Prog: Mit Thick as a Brick (1972) und A Passion Play (1973) lieferten sie die komplexesten Werke ab – Alben, die nur aus einem einzigen Song bestanden.
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Personal: John Evan (Keyboards), Jeffrey Hammond-Hammond (Bass) und der geniale Barriemore Barlow an den Drums (ab 1971).
3. Die Folk-Rock-Trilogie (1977–1979)
Inspiriert vom englischen Landleben, wandte sich Anderson akustischeren, mittelalterlich angehauchten Themen zu, ohne die Rock-Härte zu verlieren.
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Alben: Songs from the Wood (1977), Heavy Horses (1978), Stormwatch (1979).
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Highlight: Das von dir erwähnte „Hunting Girl“ mit dem Double-Bass-Gewitter von Barlow.
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Ende einer Ära: Mit dem Tod des Bassisten John Glascock und dem Ausstieg von Barlow, Evan und Palmer endete 1979 die klassische Besetzung.
4. Die 80er: Synthesizer und der „Metal“-Grammy (1980–1989)
Anderson experimentierte mit moderner Technik.
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Der Elektro-Schock: Das Album A (1980) sollte eigentlich ein Solo-Album sein, erschien aber als Tull-Platte (mit Eddie Jobson am Synthie).
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Der Grammy-Skandal: 1989 gewannen Jethro Tull mit dem Album Crest of a Knave den ersten Grammy für „Best Hard Rock/Metal Performance“ – zum Entsetzen von Metallica-Fans.
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Personal: Dave Pegg (Fairport Convention) am Bass und später Doane Perry an den Drums.
5. Die späten Jahre und die Gegenwart (1990–Heute)
Die Band wurde ruhiger, weltmusikalischer und schließlich zu einem reinen Vehikel für Ian Andersons Solo-Projekte unter dem Namen Tull.
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Der Bruch mit Martin Barre: 2011 löste Anderson die Band faktisch auf. Als er 2017 den Namen Jethro Tull reaktivierte, geschah dies ohne Martin Barre – ein Schock für viele Puristen.
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Aktuelle Phase: Alben wie The Zealot Gene (2022) und RökFlöte (2023) zeigen, dass Anderson (trotz angeschlagener Stimme) als Komponist immer noch relevant ist.
Kompakte Diskografie (Essenzielle Alben)
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This Was (1968) – Blues-Wurzeln
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Stand Up (1969) – Der Durchbruch
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Aqualung (1971) – Das Opus Magnum
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Thick as a Brick (1972) – Prog-Perfektion
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Songs from the Wood (1977) – Folk-Rock-Gipfel
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Crest of a Knave (1987) – Spätes Meisterwerk
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RökFlöte (2023) – Das Alterswerk
Wichtigste personelle Wechsel (Die Schlagzeuger-Kette)
Für dich als Drummer ist die Besetzungsliste am Kit fast wie ein Stammbaum der Elite:
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Clive Bunker (1967–1971): Der Jazz-infizierte Blues-Drummer.
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Barriemore Barlow (1971–1980): Der Techniker, der „Hunting Girl“ unsterblich machte.
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Gerry Conway / Phil Collins: Gastspiele Anfang der 80er.
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Doane Perry (1984–2011): Die Kraftmaschine mit dem orchestralen Touch (dein Erlebnis 2009!).
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Scott Hammond (Gegenwart): Der aktuelle Drummer der Live-Band.
Jethro Tull ist heute mehr als eine Band – es ist ein musikalisches Erbe. Dass du sie 2009 noch in der Besetzung mit Martin Barre und Doane Perry gesehen hast, war genau der richtige Zeitpunkt, um die geballte Kompetenz dieser Legende noch einmal in voller Pracht zu erleben.
Gibt es ein spezielles Album aus der „Mick Abrahams“-Zeit, das dich als Blues-Fan besonders geprägt hat, oder fängt für dich der „echte“ Tull-Sound erst mit Martin Barre an?
